Raupen

Ortsgemeindetag der 6. Klassen

Die Balgacher Ortsgemeinde lud die 6. Klassen zu einer Erkundungstour durch Wald und Feld ein. Die Schüler lernten, wie man Bäume fällt, wieso das Jagen gut für die Natur ist und woher Milch und Wasser kommen.

Die verpackte Milch stammt eben doch nicht aus der Milchfabrik der Grossverteiler, das Nutz- und Brennholz wächst nicht im Baumarkt oder in der Landi. Schülerinnen und Schüler der beiden sechsten Primarschulklassen haben gestern erlebt, was «Balger» Ortsgemeindewald und Milch gemeinsam haben: Die Ortsgemeinde ist nicht nur Waldbesitzerin, sondern auch Verpächterin von Landwirtschaftsboden.

Die Familie Ritz führt den Wiesenhof, unweit der Grastrocknungsanlage an der Riet­strasse. Der klassische Milchwirtschaftsbetrieb verfügt über etwa 30 Hektaren Land, rund 22 Hektaren sind im Besitz der Ortsgemeinde. Zuerst war die Klasse von Lehrer Stephan Spirig zu Besuch auf dem Wiesenhof. Eine eher ruhige Klasse. Denn Fragen hatten die Schüler kaum, Antworten auf Fragen von Bäuerin Nicole Ritz fielen meist kurz aus.

Früher von Hand gemolken, heute macht das der Roboter

 

«Unsere Kühe geben im Durchschnitt 25 Liter Milch pro Tag. Wie viel Liter Milch produzieren wir täglich?», fragte Nicole Ritz. Die Rechenaufgabe zu lösen fiel nur denen leicht, die zuvor im Stall die Ohren gespitzt und sich die Zahl der Kühe auf dem Wiesenhof gemerkt hatten. Die Balg­acher Bäuerin erklärte den Kindern Schritt für Schritt die Milchproduktion, auch wie man früher gemolken hat. «Das Melken war eine schwere Arbeit», sagte Nicole Ritz, «müsste ich heute von Hand melken, hätte ich wahrscheinlich schon nach einer halben Kuh den Krampf in den Händen.» Auch der nächste Innovationsschritt, nach dem manuel­- len Melken, hat auf dem Wiesenhof längst ausgedient. Statt mit dem Melkkübel mit aufgesetzten Saugstutzen von Tier zu Tier zu gehen, kommt heute die Kuh zum Melkroboter. Die Kinder haben diese Anlage gestern in Aktion erlebt und dabei nicht schlecht gestaunt. Etwa fünf Kühe standen geduldig vor der Melkstation. Die Tiere tragen am Halsband einen Computer-Chip, dessen Daten der Melkroboter einmal erfasst und später wieder erkennt. Steht die «melkberechtigte» Kuh in der Box, bekommt sie eine Euter­wäsche. Zwei rotierende Bürsten reinigen die sogenannten Striche (Zitzen). Erst danach setzt der Roboter die Saugstutzen an.

Ganz am Schluss kam die Erdbeermilch

 

An allen Ecken und Enden ist die Maschine mit Sensoren ausgestattet. Unterschreiten Melkdruck und Milchmenge eine bestimmte Marke, nimmt der Ro­boter die Saugstutzen ab. «Die Kühe, die zum Glück neugierige Tiere sind, gewöhnen wir relativ früh an den Melkroboter. Bisher hatten wir damit keine grossen Probleme», sagte Nicole Ritz. Dank der modernen Anlage bleibt der Bauernfamilie mehr Zeit für anderes. Denn vor der Anschaffung des Automaten mussten jeden Morgen und Abend mindestens zwei Personen die Kühe melken. «Der Milchroboter ist rund um die Uhr in Betrieb, die Kühe können zum Melken gehen, wann sie Lust haben», sagte die Bäuerin. Und nachdem die Kinder die Milch durchs Schauglas fliessen sahen, gab es auch welche zu probieren: gemixte und gekühlte Milch mit frischen Erdbeeren. Auch Letztere werden auf Böden angebaut, die Rheintaler Ortsgemeinden gehören.


Kurt Latzer, "Der Rheintaler", 30.5.2017