Raupen

Bäume fällen statt Kopfrechnen

Die Balgacher Ortsgemeinde lud die 6. Klassen zu einer Erkundungstour durch Wald und Feld ein. Die Schüler lernten, wie man Bäume fällt, wieso das Jagen gut für die Natur ist und woher Milch und Wasser kommen.
«Aber Herr Benz, gibt es denn eine Altersgrenze für Bäume?», fragt ein Mädchen erstaunt, als Förster Josef Benz den Kindern erklärt, dass ältere Bäume gefällt werden müssen. Dieser verneint schmunzelnd und erklärt ihr, dass man ab und zu Platz machen müsse im Wald. «Sonst stehen die Bäume einander auf die Füsse», erklärt er und demonstriert mit einer Gruppe Schüler, wie die Bäume beschädigt werden, wenn sie bei Wind zu nahe beieinander stehen.
Viele der Balgacher Sechstklässler waren erst wenige Male im Wald. Aus diesem Grund führe man diesen Schüleranlass durch, erklärt Ortsgemeindepräsident Albert Weder. Man wolle den Kindern die Natur näherbringen und sie mit den Aufgaben der Ortsgemeinde vertraut machen.

Weidmannsheil

Lehrer Christian Speck begleitete gestern zum ersten Mal eine Klasse an den Wald- und Feld-Tag. «Ich finde diesen Projekttag eine sehr gute Idee. Hier können die Kinder sehen, dass das Wasser im Wasserhahn aus einer einheimischen Quelle und die Milch im Tetra-Pack von der Kuh aus dem Riet kommen», sagt er.
Auch Urs Hutter, Obmann der Jagdgesellschaft Balgach, findet es wichtig, das die Kinder über den Kreislauf der Natur aufgeklärt werden. «Für uns ist dieser Anlass eine Möglichkeit, um den umstrittenen Ruf der Jäger zu verbessern», erklärt er, «Viele junge Leute haben zu wenig Bezug zum Jagen und verstehen nicht, dass es ein Ding der Notwendigkeit ist. Da Rehe und Hirsche heutzutage fast keine natürlichen Feinde mehr haben, sind wir Jäger für die Regulierung des Bestands zuständig. Gäbe es zu viele Wildtiere, würden sie dem Wald schaden.»

Milch frisch ab Kuh

Den Nachmittag verbrachten die Schüler im Balgacher Riet. Nachdem ihnen Albert Weder die Aufgaben der Ortsgemeinde erklärt hatte, durften die Kinder zwei Bauernhöfe besichtigen. Dort lernten sie, dass nicht jeder Bauer, der Kühe züchtet, auch Milch produziert.
So beispielsweise Köbi Ritz vom Eichhof, der sich vor 15 Jahren auf die Fleischwirtschaft spezialisiert hat. Er hält nur Mutterkühe und Kälber, die später geschlachtet werden. Auf dem Wiesenhof züchtet Nicole Ritz Milchkühe. Die Schüler durften selbst Hand anlegen und versuchen, eine Kuh zu melken. Schnell fanden sie heraus, dass das gar nicht so einfach ist, wie es aussieht. «Deshalb haben wir auch Melkroboter», erklärt Nicole Ritz, «damit sind wir viel schneller, als wenn wir alle Kühe von Hand melken müssten.»

«Bäume fällen war echt cool»

Die Schüler waren begeistert vom gestrigen Schultag. «Das ist viel besser als immer nur im Klassenzimmer zu sitzen. Hier darf ich alles anfassen und live miterleben», sagt Eva Sieber.
Auch Nicola Ornelas findet den Wald- und Feld-Tag besser als Schule: «In Mathe muss ich immer so viel nachdenken. Im Wald kann ich einfach zuhören und zusehen.» Am besten habe ihm gefallen, als ein Forstarbeiter einen Baum gefällt habe. Das sei «echt cool» gewesen.

Anina Gächter, "Der Rheintaler", 19. Mai 2015