Raupen

Sich spielend besser kennenlernen

Seit zehn Wochen studieren die Viertklässler und Lehrer Paul Quan im Schulhaus Breite in Balgach das Theaterstück «Die kleine Nixe Lillibell» ein. Bald führen sie es auf - in Sargans.
Paul Quan hat «Die Kleine Nixe Lillibell» von Autorin Gerlinde Bäck-Moder (eine Lehrerin und Autorin) für seine Viertklässler so umgesetzt, dass alle 19 Mädchen und Buben eine Sprechrolle und einen Bühnenauftritt haben.

Seit Wochen setzt die Klasse einen grossen Teil der Unterrichtszeit für die Proben ein, der Lehrer auch einen erheblichen Teil seiner Freizeit. «Man muss eine Begeisterung fürs Theaterspiel und eine Affinität zum Theater haben», begründet er. Im Schulzimmer stehen die Tische und Stühle an der Wand. Die freie Zimmermitte ist die Probebühne.


Schulzimmer ist Probebühne

Sie entspricht in Grösse und Form ziemlich genau der Bühne an der Kantonsschule in Sargans. Dort war Paul Quan einst selber Schüler und spielte Theater. Jetzt spielen seine Balgacher Viertklässler im Rahmen des Theaterfestivals der Schule zu ihrem 50-jährigen Bestehen. Das Festival dauert vom 16. bis 29. November. Am Donnerstag, 21. November, um 14.30 Uhr spielen die Balgacher Kinder vor Ihresgleichen aus der Umgebung der Kanti Sargans. Paul Quan: Wir sind hart am Arbeiten und täglich am Proben. Mein Ziel ist es, dass die Kinder die ganze Aufführung allein bewerkstelligen und gestalten und ich mehr oder weniger entspannt im Publikum sitzen kann.» Das Ziel ist ehrgeizig, denn erst am Vormittag der Premiere und der einzigen Aufführung kann die Klasse an einer Hauptprobe ihr Spiel auf der Kanti-Bühne ein erstes und letztes Mal proben.

Zum Engagement kamen die Balgacher Viertklässler durch die Anfrage des ehemaligen Kanti-Theater-Regisseurs von Paul Quan. Er organisierte zusammen mit anderen das Festival zum Jubiläum. Weitere Auftritte seien (noch) keine vorgesehen, sagt Paul Quan, doch werde die Klasse wohl nach dem Auftritt in Sargans die Eltern und Angehörigen zu einer Aufführung in Balgach einladen wollen. Ein paar Eltern werden die Nixe Lillibell unter der Regie von Lehrer Quan dann bereits das zweite Mal sehen, weil sie mit ihren Privatautos das ganze Ensemble samt Kostümen und Kulissen nach Sargans gebracht haben.

Leidet die Vermittlung des regulären Schulstoffs? Paul Quan verneint. Er werde die Klasse bis zum Übertritt in die Oberstufe führen. Es bleibe noch ausreichend Zeit, andere Lernziele zu erreichen. Durch das Projekt und das Spiel erreiche die Klasse andere, wichtige Lernziele wie Teamgeist, Rücksichtnahme, Zielstrebigkeit usw. Paul Quan weiss, wovon er spricht. Er spielte dieses Jahr erstmals beim Nostalgietheater mit. «Durch die enge Zusammenarbeit und die Aufführungen wurden die Mitwirkenden schnell eine Art Familie. Theater zu spielen, schweisst jede Gruppe zusammen.»


Ohne Eltern geht's nicht

Doch betont der Lehrer: Ohne die Unterstützung und Hilfe der Eltern sei ein Projekt dieser Art nicht möglich. Die Eltern chauffieren nicht nur die Klasse nach Sargans, sondern steuern auch Tücher, Kleider, Kostüme und Requisiten bei. Quan: «Ich bitte die Kinder, die Augen offen zu halten nach diesem oder jenem. Auf diese Art (und auf Sammeltouren des Lehrers durch Brockenhäuser und Theater-Fundi) sammelte das Ensemble bereits einen Grossteil des benötigten Materials und der Kostüme zusammen. Vieles muss noch abgeändert, zusammen- oder umgebaut und umgeschneidert werden. Doch ist die Aufführung ja erst in einer Woche...

René Schneider, "Der Rheintaler", 15.November 2013