Raupen

Ein Name für das Kalb

Die Balgacher Ortsgemeinde informierte die 6. Klassen über verschiedene Arbeiten auf dem Feld, im Wald und auf dem Bauernhof. Einen Baum fällen oder eine Kuh füttern - für die meisten Schüler war es das erste Mal.
Einen Baum habe der Förster vor den Schülerinnen und Schülern gefällt, erzählte Jan Ziegler (12) beim Mittagessen. «Für mich war es aber nichts Neues: Ich kenne die Arbeit im Wald gut, da mein Vater auch Förster ist.»
So wie Jan geht es kaum einem der Kinder. Die meisten sahen gestern zum ersten Mal, wie man den Wald pflegt, Wild jagt oder Kühe füttert. Das sei auch der Grund, weshalb die Ortsgemeinde jedes Jahr einen Schulanlass für Sechstklässler organisiere. «Wir möchten den Kindern verschiedene Aufgaben der Ortsgemeinde zeigen und erklären», sagte Albert Weder, Ortsgemeindepräsident von Balgach.

Kalb heisst jetzt Timo

Eine Station des Ausflugs war der Riethof. Was die Schüler nicht wussten: Nicht jeder Bauer, der Kühe hält, setzt auf die Milchproduktion.
Jakob Ritz, Landwirt auf dem Riethof, spezialisierte sich vor zwölf Jahren auf die Züchtung von Mutterkühen und somit auf die Fleischherstellung. Im Durchschnitt gebären seine Kühe ein Kalb pro Jahr, das dann bei der Mutter bleibt, bis sie das nächste Mal trächtig ist. «Wir müssen nie melken, da die Kühe nur so viel Milch produzieren, wie das eigene Kalb trinkt», erklärte Ritz. Trennt man die Kälber nach einem Jahr von der Mutter, werden sie entweder geschlachtet oder wiederum zu Mutterkühen herangezüchtet.
Was die Schüler am meisten interessierte, waren nicht die Zahlen und Fakten zur Tierhaltung, sondern die Namen, die Ritz seinen Kühen gibt. «Bei 120 Kühen gehen mir oft die Ideen aus», sagte Ritz. Namenlos war deshalb auch das jüngste Kalb auf dem Hof. Um den Überblick zu behalten, sei es wichtig, dass der Name eines Kalbs den gleichen Anfangsbuchstaben besitzt wie der seiner Mutter; im Falle des namenlosen Kalbes den Buchstaben T. Vorschläge von den Schülern gab es genug: «Timo!», rief ein Bub. «Timo, das ist gut», sagte Ritz. «Ein Namenproblem weniger.»

Aus der Kuh wird Hamburger

Eine Kuh, die jedes Jahr ein Kalb gebärt, kann bis zu zwanzig Jahre alt werden; ungefähr dreimal so alt wie eine Milchkuh. «Werden die Kühe denn nicht geschlachtet?», fragte Shkrep Zymberi (12) aus der Menge. «Nur, wenn sie sich schwer verletzt haben», antwortete Ritz. Da das Fleisch von Kühen nicht gleichwertig ist wie das von Kälbern oder Rindern, wird es vor allem zu Hamburgern verarbeitet. «Der grösste Abnehmer von Kuhfleisch in der Schweiz ist McDonald's», sagte Ritz und erstaunte die Schüler damit ein weiteres Mal.

Sereina Hess, "Der Rheintaler", 14. Mai 2013