Raupen

"Deutsche Sprak - schwere Sprak" - oder wichtigste Sprache?

Elternabend vom Donnerstag, 23. August 2012 in der Mehrzweckhalle Riet.

Nicht viele Pointen im Leben verpassen 

Schon als Kind Englisch und Französisch lernen, aber Mühe haben mit Deutsch? So sollte es nicht sein, finden die Referenten, die am Donnerstag in Balgach auftraten. Denn "Sprache ist Heimat"; jeder soll sie "finden können".

Ginge es nach dem Balgacher Schulratspräsidenten Reto Wambach, enthielte der Lehrplan für
Primarschüler nicht Deutsch-, Englisch- und Französischstunden, sondern 15 Lektionen
Sprachkompetenz. Nur wer im Deutsch gut mithält, sollte sich auch mit Fremdsprachen befassen - und
dies, ohne Noten zu bekommen.

Sprache besser verankern

Die Muttersprache zu beherrschen heisst, sich differenziert ausdrücken zu können. Zumal diese
Fähigkeit sehr wichtig ist und Arbeit an der Sprache die Gedanken schärft, «wäre eher der
Deutschunterricht aufzuwerten, als zum Beispiel Französisch für lernschwache Kinder zur Tortur werden
zu lassen». Darin waren sich an einem Balgacher Schulanlass, zu dem Eltern aus Balgach und
Diepoldsau eingeladen waren, die Referierenden einig.
Kinderbuchautor Hans Gysi meinte gar, schon in den ersten Lebensjahren liesse sich bedeutend mehr
tun, um die deutsche Sprache zu verankern. Logopädin Barbara Müller Gächter legte dar, dass gut
Deutsch zu lernen auch eine Frage der Kapazität sei, und der ehemalige Reallehrer Ivo Riedi (heute
Leiter berufliche Grundbildung bei SFS und OMR-Präsidentschaftskandidat) bemerkte: «Wer die
deutsche Sprache nicht beherrscht, verpasst viele Pointen in seinem Leben - und das wär doch
schade.» Die Bedeutung des Fremdsprache-Unterrichts in frühen Jahren relativierte Riedi mit zwei
Hauptargumenten: Für 83 Prozent der Biga-Berufe sei eine Fremdsprache irrelevant, und wer eine
Fremdsprache beherrschen wolle, sei entsprechend motiviert und lerne sie im Ausland «sehr, sehr
schnell».

Fehlerhaftigkeit als Grundrecht

Der evangelische Pfarrer Jens Mayer erinnerte an die Macht der Sprache, respektive an die Ohnmacht
mangels Ausdrucksfähigkeit. Ein Beispiel Mayers zur Verluderung der Sprache muss erschrecken: Mit
«Fick deine Mutter» würden Jugendliche sich zum Teil begrüssen, und inzwischen sei es fast schon chic,
fehlerhaft Deutsch zu sprechen und so zu tun, «als wär's ein Grundrecht».
«Wir hier unten sehen, wo der Schuh drückt», bilanzierte Reto Wambach, nach dessen Ansicht zu viel in
den Lehrplan hineingepackt wird. - «Wenn die Mehrheit verliert, ist das System kein Gewinn.»

Gert Bruderer, "Der Rheintaler", 25.8.2012