Raupen

Pensionierte helfen in der Schule

Pensionierte Menschen helfen unentgeltlich in der Schule mit: In Balgach ist das ab dem neuen Schuljahr möglich. Den Lehrkräften bleibt freigestellt, ob sie mitmachen.
«Es wäre manchmal schön, man hätte jemanden, der einfach da ist», sagt Schulleiter Christof Bicker. Zusammengefasst geht es darum, dass pensionierte Menschen, die Zeit haben, den Kindern einen Teil dieser Zeit - und somit auch Aufmerksamkeit - schenken.

Es gibt viel zu tun

Zu tun gibt es genug. Wer Zeit schenkt, kann das zum Beispiel bei Ausflügen, in der Bibliothek, im Pausenkiosk, am Mittagstisch, bei der Aufgabenhilfe, an Sporttagen, in Lagern oder Projektwochen tun - sowie im Unterricht. Es gehe keinesfalls darum, die Lehrkraft zu ersetzen, sagt Christof Bicker. Pensionierte könnten aber im Klassenzimmer viel Sinnvolles leisten: die Förderung in Kleingruppen verstärken helfen, die Arbeit am PC begleiten, besonderen Begabungen gerecht werden oder etwa in musischen Fächern gewisse Aufgaben übernehmen.

«Natürlich», sagt Christof Bicker, «muss die Chemie stimmen». Denn niemand wolle sich mit der Zusammenarbeit ein Problem schaffen, heisst es in den Unterlagen, die das Projekt beschreiben. Je besser die Erwartungen besprochen und die Spielregeln der Zusammenarbeit geklärt würden, desto grösser sei die Chance auf Freude und Gelingen. Sollte es mit dem Zusammenwirken einer Lehrkraft mit ihrem «Assistenten» oder ihrer «Assistentin» doch nicht klappen, würde die Zusammenarbeit unter Wahrung eines für alle Seiten fairen und konstruktiven Abgang-Rituals beendet.

Start auf eigene Faust

Die Stadt St. Gallen und eine Vielzahl anderer Gemeinden machen vor, dass das in Balgach erst einmal auf drei Jahre angelegte Pilotprojekt funktionieren und für alle Beteiligten eine Bereicherung sein kann. In St. Gallen begleitet die koordinierende Pro Senectute das Projekt, in Balgach startet die Schule auf eigene Faust. Wie es weitergeht, hängt vom Erfolg ab. Noch sei schliesslich offen, ob ein Interesse überhaupt besteht. Der Schulleiter nimmt es gelassen: «Sind Pensionierte zur Mitwirkung bereit, freut es uns. Meldet sich niemand, ist's auch okay.»

Einen ersten Interessenten hat Balgach allerdings schon. Es ist der einheimische Kurt Krattinger, der mit seiner Anfrage sozusagen die Initialzündung gab. Krattinger unterrichtete während 32 Jahren Biologie und Chemie an der Kantonsschule Heerbrugg und sagt: «Mir selbst geht es so gut, dass auch andere etwas davon haben sollen.» Aus eigener Erfahrung weiss Krattinger, dass es eine grosse Hilfe sein kann, einen bestimmten Schulstoff noch von einer zweiten Person erklärt zu bekommen. «Oft macht es erst dann plötzlich Klick.»

Als selbstverständlich erachtet Kurt Krattinger, dass seine frühere Rolle als leidenschaftlicher Lehrer Vergangenheit bleibt. «Eine Einmischung in den Unterricht soll und wird es auf keinen Fall geben.» Hilft er künftig in der Schule mit, so ist er «wirklich nur noch Assistent».

Weitere Informtionen und Auskünfte zum Projekt rehlaten Sie direkt von unserem Schulleiter.

Gert Bruderer, "Der Rheintaler", 25.5.2012