Raupen

Sicherheit vor sexuellen Übergriffen

An der Elterninformationsveranstaltung referierte Vincenzo Condoleo, Leiter der Stadtpolizei Kloten zum Thema: "Sicherheit vor sexuellen Übergriffen".
Es war unübersehbar, dass sich viele Eltern brennend für Informationen vom Leiter der Stadtpolizei Kloten interessierten, wie Kinder vor sexuellen Übergriffen zu schützen seien.
Weil sich 330 interessierte Eltern angemeldet hatten, musste der Vortrag vom Vincenzo Condoleo, Polizeibeamter und Leiter der Stadtpolizei Kloten in die Mehrzweckhalle verlegt werden. Wie Schulratspräsident Reto Wambach betonte, war es nicht etwa ein aktueller Anlass, der die Einladung des Sicherheitsspezialisten auslöste. Wambach hatte Condoleo im Rahmen einer gemeinsamen Weiterbildung kennengelernt und ihn gefragt, ob er auch einmal in der Ostschweiz über das Thema referieren würde.
Die Veranstaltung «Sicherheit vor sexuellen Übergriffen» wurde gemeinsam mit Diepoldsau durchgeführt.

Körpersprache entscheidend

Condoleo hatte die Aufmerksamkeit der Eltern vom ersten Moment an für sich. Ihn beschäftigte die Frage, warum jemand zum Opfer werde. Mit einem einfachen Rollenspiel demonstrierte er, wie ein Täter anhand non-verbaler Signale sein Opfer aussucht. Unsicherheit, Angst, Schwäche zeigen sich an der Körperhaltung, am Gang, am Klang der Stimme. Darum soll man sich in bedrohlichen Situationen verhalten, wie die Männer in der Badi: Bauch einziehen, Kopf hoch und Brust heraus. Auch Kindern kann man lehren, sich selbstbewusst zu zeigen. Ein grosser Fehler sei, Mädchen dauernd zur Friedfertigkeit anzuhalten. Jedes Kind, auch die Mädchen, dürfen sich wehren, nein sagen.

Kein böser Mann

Falsch ist es auch, die Kindern vor fremden bösen Männern zu warnen. Pädophile sind kinderfreundlich, können das Vertrauen der Kinder leicht gewinnen. Ohnehin stammen die meisten Täter aus dem sozialen Umfeld des Opfers. Wichtig ist auch, dass Kinder daheim alles erzählen dürfen, ohne Angst vor Strafe zu haben. Wenn sie einmal eine Missetat gebeichtet haben und das negative Folgen hatte, werden sie in Zukunft nicht mehr alles vorbehaltlos erzählen.
Ein weiterer Rat des mehrfachen Vaters war, nach einem Streit jeden Abend mit den Kindern Frieden zu schliessen.
Condoleo, selber Kampfsport-Trainer, plädierte nicht unbedingt für Judo oder Karate. Es könne einem Kind helfen; aber im Prinzip sei jedes Hobby geeignet, das sein Selbstbewusstsein stärke.
Wichtig ist laut dem Polizeibeamten auch, offen mit den Kindern über Gefahren zu reden. Er empfahl, sich im Internet (www.missbrauch-opfer.info) über Symptome zu informieren, die auf sexuellen Missbrauch hindeuten könnten. Wenn ein Gespräch schwierig sei, könne man vielleicht über Zeichnen oder Rollenspiel zu Anhaltspunkten kommen. Die Ratschläge des Fachmanns richteten sich auch an Frauen, denen er Tips zur Abwehr zeigte: «Wenn man weiss, wie man sich wehren kann - auch mit einem guten Pfefferspray - gerät man nicht in die Opferrolle.»

Maya Seiler, "Der Rheintaler", 27. Oktober 2009

Referat Vincenzo Condoleo (PDF 104 kB)